Ziel Schleie

  • Hallo Freunde !


    Gestern war ja wieder mal so ein Tag…… §(


    Am Dienstag hatte ich eine tolle Session mit einigen illustren Musikern in einem Jazzkeller und kam erst um halb drei Uhr ins Bett, nur um dann in der Früh wieder aufzustehen, da die Pflichten riefen.


    Dabei hatte ich eigentlich vorgehabt, mir am Mittwoch freizunehmen, etwas länger zu schlafen und dann ins Bergland zum Fliegenfischen zu fahren. Ein erneut stark erhöhter Wasserpegel ließ mich von diesem Plan aber abkommen, sodass ich auf den Urlaubstag verzichtete und einen stinknormalen Arbeitstag einlegte, ständig gähnend wegen der kurzen Nacht…….


    Dabei war ich auch noch sauer, als ich in der Früh sah, dass der Wasserstand doch wieder in ein akzeptables Maß gependelt war.
    Ganz auf´s Fischen verzichten wollte ich irgendwie doch nicht. So suchte ich mir schnell noch ein paar Würmer am Komposthaufen, Friedfischrute, Rucksack, Kescher, Klappstühlchen und Futtereimer in den Kofferraum und los ging´s.


    Auf der Südosttangente stand ich 1 Stunde im Stau. Es waren auf der Praterbrücke 2 Unfälle passiert. Draussen Prachtwetter und ich „gefangen in diesem Scheißkübel im Tunnel unter dem Verteilerkreis………..“ ;(

    Aber irgendwann am späten Nachmittag, als ich dann den von mir anvisierten Platz mit idealen, geradezu paradisischen Verhältnissen der frühlingshaften Donau-Auen sah, war aller Ärger wie weggeblasen.
    Wichtig beim ufernahen Posenfischen ist absolute Ruhe. Mit Hingabe steckte ich mein Gerät zusammen und rührte mein wunderbares Futter an, welches eine der Gaben ist, die ich bei unserem Forumtreffen im März überreicht bekommen hatte (Forumkappl, Futtermaterial, Gummifische…….). Es ist schön dunkel, genau richtig für die scheue naturangepasste Schleie, die durch zu helles Futter eher verschreckt wird. §!
    Ich hatte auch Glück, dass relativ wenig Kleinfische aktiv waren, denn sonst hängt am Wurm schon eine kleine Rotfeder oder Plötze, bevor er überhaupt abgesunken ist.


    Nach einem handgroßem Barsch, 2 Rotfedern und 1 Sonnenbarsch zeigten kleine Luftbläschen an, dass die Hoffnung auf eine Schleie steigern könnte. Hin und wieder bewegte sich die Pose leicht, was aber eher durch die gründelnden Fische oder anstubsende Kleinfische zu erklären ist.
    Aber dann kam der richtige „Schleienbiss“. Die Pose machte winzige, leicht zitternde Bewegungen und hob sich dabei ein klein wenig, um dann in dieser Position gaaaaanz langsam loszuschieben und erst kaum merklich, dann doch etwas schneller abzutauchen.


    Das ist der Moment für den Anhieb, und jedesmal fasziniert es mich, wie dieser sonst so träge und fast „langweilige“ Fisch im Drill blitzschnell wird und man sehr aufpassen muss, dass sie sich nicht an Pflanzen festsetzt, denn darin ist sie Meisterin.


    Und schon war sie im Kescher. Eine wunderbare Schleie mit 42 cm ! §$

    Ich versuchte noch ein wenig, und es gab noch Momente, wo ich dachte jetzt kommt was, aber die Fische nibbelten nur mehr und als es abendlich kühler wurde, war es schlagartig aus mit der Aktivität, vielleicht spürten sie den Wetterumschwung schon.


    Noch einmal ein dankbarer Blick auf´s Wasser, auf das herrliche Grün rundherum, und dann ging es zum Glück ohne Stau heimwärts. ;)
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  • Ein sehr schöner Fang, Glückwunsch!


    "Noch einmal ein dankbarer Blick auf´s Wasser..."
    Das hast du sehr schön gesagt, so geht's mir auch oft. :)




    PS:
    Bei den Worten "Auf der Südosttangente stand ich 1 Stunde im Stau. Es waren auf der Praterbrücke 2 Unfälle passiert. Draussen Prachtwetter und ich „gefangen in diesem Scheißkübel im Tunnel unter dem Verteilerkreis………" fiel mir unweigerlich folgender Film ein, und sah unseren Lupus vorm geistigen Auge schon austicken: :D

  • Servus Gerhard,


    Herzlichen Dank für den Fangbericht ... man merkt richtig, dass du dich in dieser Art der Fischerei so richtig wieder findest §!


    großes p-: zur makellosen Lobau Tinca ... sehr schön und detailliert beschriebenes Beißverhalten der Schleie 8)


    d-;

    LG
    Reinhard


    "I have many loves and Fly-Fishing is one of them; it brings peace and harmony to my being, which I can then pass on to others."


    Sue Kreutzer

  • Petri zu deiner Tinca.
    Sehr schön beschrieben.
    Ich denke da bekommt gleich jeder Sehnsucht und wird gleich grippelig in den Fingern.


    Wie ist bei euch der Schleien Bestand?
    Ich angelte die ganze Kindheit und Jugend am Mühlwasser in Groß-Enzersdorf aber Schleie hatte ich keine Einzige.


    Natürlich habe ich sie bei uns in der Nähe bis jz nur am Eberschüttwasser gefangen.


  • Hallo Fabian !


    Ich befische die Lobaugewässer schon seit Mitte der 70er Jahre und kann Dir folgendes sagen:
    Das Mühlwasser in Groß-Enzersdorf (Mühlwasser Lobau) war damals so, dass es fast zur Gänze verlandet war. Die einzige befischbare Fläche war das, was heute Schongebiet ist, nämlich oberhalb von Essling diese Schleife, die man glaube ich "OberleitnerWasser" nennt. Unten, wo Du meinst, also ab den 3 Brückln in Essling wurde erst gebaggert, um wieder eine befischbare Fläche zu machen, und daher war das dann ein nagelneue gebaggertes Wasser mit reinem Kiesgrund praktisch ohne Pflanzen. Ich hatte auch dort nie eine Schleie gefangen.


    Dafür waren Schleien in den eher schlammigeren älteren Lobauwässern sehr gut vorhanden. Oberes Mühlwasser, in geringerem Ausmaß unteres Mühlwasser, und besonders Schillerwasser. Dort wieder besonders in den kleinen Teilbereichen "Kleines Schilloch und 13er Werk". Eine geringe Menge von Schleien wird aber auch jährlich besetzt, aber es gibt auch an den idealsten Stellen eine reproduzierenden Eigenbestand.


    Der einzige Unterschied zu früher ist folgender: Die Schleie der 70er Jahre war ein in viel größeren Mengen besetzter Fisch und da auch weniger Wasserpflanzen war, war sie viel mehr im freien Wasser und manchmal "verdarb" sie einem Karpfenfischer regelrecht den Platz, wenn er 7 Schleien hintereinander fing.


    Heute führt sie in dem Krautdschungel und den viel weniger befischbaren Plätzen ein viel versteckteres Leben und ist auch viel mehr adaptiert an die Natur, das heißt, sie schreckt vor hellem Futter zurück, findet sich an kleinen begrenzten Spots, die man allerdings ganz gut lokalisieren kann, etc ......


    Ich hoffe, ich konnte helfen......

  • hallo Gerhard


    Vielen damk für den schönen Bericht und die Schilderung der Schleienbiss.
    Hat mich daran erinnert wieso sie auch lang einer meiner Lieblingsfische war.


    lg

    "If I'm not going to catch anything, then I 'd rather not catch anything on flies"

    -Bob Lawless

  • Grüß dich Gerhard !


    Ein sehr netter Fangbericht- und das Foto dazu ist wie ein "Stilleben aus den Sechzigern ", mit der Trixi, der Vollglasrute und dem "Eisenkescher".
    So große Schleien habe ich eigentlich nur im Kärntner Weißensee gefangen .


    LG von Stefan

  • Mit dem Bericht hast du mich inspiriert. Ich glaub, dass werd ich am Sonntag auch probieren. Bin scho gespannt. :D
    Ja die Tangente. Als ich noch im 18. gewohnt hab und in die Freudenau fischen gefahren bin, bin ich auch öfters gestresster angekommen, als ich weggefahren bin.. :D

  • Danke Lupus;
    wusste garnicht das weiter unten gebaggert wurde.
    Ich war immer direkt in Groß-Enzersdorf unterwegs. (die Gegend um die alte Kaserne)
    Zu meiner Zeit gab es massig Hechte. Habe mir das Revier als Erwachsener nochmal genommen um Hechte jagen zu gehen aber das Revier hatte sich total verändert. Damals waren 7-10 Hechte an einem Vormittag keine Seltenheit; jetzt ist man um jeden Hecht dankbar der sich an den Haken verirrt.