Der Oberflächenwaller

  • Kaum von Italien zurück, ich war noch ganz heiß auf's Welsfischen, musste ich schon wieder ans Wasser denn der Wasserstand der March war hoch und die Brühe war braun, also genau das was der Wels möchte.


    Gleich an der ersten Stelle in einer kleinen Rückströmung bekam ich auf einen Kopflosen Gummifisch einen starken Biss, der Anschlag ging aber leider ins Leere.

    Der Fisch ist erschrocken und hat wild abgedreht, der Strudel der dabei entstand zeigte mir an dass es ein guter Fisch gewesen sein musste.


    Sehr ärgerlich, denn selbst bei optimalen Bedingungen sind Welsbisse an der Spinnrute selten, denn die Fische sind schlau, sehr schlau.

    Gerade in der seichten March kann man das oft gut erkennen, vor allem Nachts wenn der Schein des Mondes auf der Wasseroberfläche liegt.

    Dann sieht man die Fische dem Köder folgen, mit der Schnauze direkt am Gummi oder Wobbler.

    Aber wenn das mal passiert dann ist der Fisch in der Regel nicht mehr zu bekommen, er hat den Braten gerochen.

    Ich hatte solche Situationen schon oft, selbst wenn man ständig Köder wechselt ist es kaum noch möglich den Fisch doch zum Biss zu verführen.


    Manchmal läuft er x-mal hinterher, immer die schöne Bugwelle hinter dem Köder herschiebend, da ist man am verzweifeln. Der Fisch ist da, interessiert und aktiv – ist das schon selten genug – aber er packt einfach nicht zu.


    Diesmal kam er direkt aus einem Busch heraus geschossen, überlegte nicht und nahm den Köder ohne Umschweife.

    Die Bisse die von der Seite kommen sind allerdings oft schlecht zu verwerten, genau wie beim Zander. Der Winkel stimmt dann nicht und der Fisch kann nicht optimal einsaugen und so war es auch diesmal. Es war ein 13cm Gummi den ich nur am Drilling, ohne Bleikopf unter der Oberfläche einholte, der Biss war kurz und hart aber der Haken fasste leider nicht.


    Schade, aber die Fische sind aktiv dachte ich.


    Bei den Welsen sind die Aktivitätsphasen nämlich extrem stark ausgeprägt. Es sind fast alle Welse gleichzeitig am Rauben, oder gar keiner.

    Den Großteil der Tageszeit liegen die Fisch nur ab, bzw. stehen ruhend im Mittelwasser oder unter Bäumen.

    Oft tagelang, ja wochenlang bekommt man keinen Fisch zu sehen, man hört auch von keinen Fängen.

    Aber plötzlich, wie von Geisterhand sind alle Fische aktiv und man kann mehrere Fische an einem Tag fangen.


    Ich suchte einige verdächtige Stellen ab aber nichts tat sich mehr. Die Strömung war extrem und ruhige Bereiche oder Kehren sind rar gesät an der March.


    Ein schöner großer ruhiger und überschwemmter Teil lag allerdings jetzt vor mir. Überall Holz im Wasser, eine ausgeprägte Strömungskante und Kleinfischaktivität - optimal.

    Hier stank es förmlich nach Wels.

    Ich montierte einen kleinen Oberflächenwobbler, ausgestattet mit 3xstrong Drillingen, aber nur 11cm lang. Der Wobbler hat mir schon viele Fische gebracht, die Frequenz ist genau das was die Welse verrückt macht und so greife ich immer wieder auf dieses Modell zurück – den Rapala Jointed in 11cm.

    Der 13cm ist zwar viel stabiler, aber läuft mir oft zu tief. Ich will aber nur einige cm unter der Oberfläche fischen und da ist der 11er genau richtig.


    Der erste Wurf geht sehr kurz, der Wobbler fliegt gerade mal etwa 25Meter. Das desswegen weil ich nicht durchziehe mit der Rute beim Wurf. Die Welse nehmen diese Bewegung der Rute extrem stark wahr und erschrecken oft und flüchten mit lautem Getöse. Oft schon habe ich mich geärgert dass ich wieder zu "laut" ausgeworfen habe und den Fisch dadurch vergrämt habe.


    Egal denke ich mir und beginne langsam einzuholen. Augenblicklich ist sie da die Bugwelle, langsam kurble ich ,aber der Fisch nimmt nicht.


    In so einer Situation ist man geneigt schneller zu kurbeln um den Fisch einen Anreiz zum Angriff zu geben. Beim Hecht funktioniert das oft, beim Wels so gut wie nie.

    Also hole ich weiter ein bis der Wobbler direkt vor dem überschwemmten Gras ist, direkt vor mir.

    Ich höre auf zu kurbeln und der Wobbler steigt an die Oberfläche und wird sichtbar. Genau in diesem Moment reißt der Wels sein Maul mit lautem Knall auf und ich sehe direkt in den Rachen des Fisches und beobachte wie der kleine Köder darin verschwindet.

    Eine unglaubliche Szene, der Wels war direkt vor mir in ganz seichtem Wasser und ich konnte alles genau beobachten.

    Der Drill war Routine, nur zum Landen des Fisches musste ich mit der Hose ins Wasser denn der Uferbereich war überschwemmt.

    Ein knapper 150er kam zum Vorschein der sich für seine Größe sehr gut verkaufte, allerdings meinen Wobbler zu Kleinholz zerlegte.



    Welse an der Oberfläche zu fangen gehört zu den größten Erlebnissen für mich.


    Da war mal ein Jahr, da gab es unglaublich viele Mäuse und diese schwammen ständig über die March um neue Lebensbereiche zu finden.

    Die Welse haben sich dieses Jahr auf diese Nahrung eingestellt und Nachts war ständig das laute Einsaugen der Fische zu hören.


    In diesem Jahr konnte ich viele Welse an der Oberfläche fangen und ich dachte das Rad neu erfunden zu haben.

    Doch als im nächsten Jahr keine Mäuse mehr durch den Fluss schwammen, waren auch keine Welse mehr an der Oberfläche zu erwischen.



    Ich werde ich diese tolle Art der Angelei in nächster Zeit wieder häufiger anwenden, denn mit dem richtigen Köder kann man die Fische sehr reizen – es sei denn sie sind aktiv und dass ist die Zeit auf die man nun mal warten muss….


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  • Hui, wieder Spannung pur in deinem Bericht! Danke, jetzt war ich auch "live" dabei - sehr genial!

    Ein Traum wie du das schilderst, was ich in dieser Form noch an keinem meiner Gewässer nur in irgendeiner Form beobachten konnte!


    Petri zum Oberflächen-Wels!

  • Servus Gernot,


    ein sehr spannender Fangbericht von deiner Wels-Oberflächenfischerei an der March … extrem cool und mitreißend zu lesen … kann deine Begeisterung für diese Art der Fischerei sehr gut nachvollziehen b-;


    dickes Petri auf jeden Fall zu deinem 150iger :thumbup: … Danke dass du uns an deiner Freude und Fischerei teilhaben lässt und viel Erfolg bei deinen nächsten Versuchen !


    d-;p-:

    LG
    Reinhard


    "Wenn der Lebensraum ausreichend ist, dann wächst jedes Jahr zu, und wenn man das mäßig und bescheiden nutzen will, dann reicht das."


    Stefan Guttmann

  • Danke Leute,


    ja obwohl es mir immer wieder mal gelingt einen Wels zu fangen mit der Spinnrute ist es doch jedes mal wieder ein Höhepunkt für mich, denn in den allermeisten Fällen geht man Schneider nach Hause.

    Die bösen Burschen sind halt leider wie beschrieben die allermeiste Zeit nicht aktiv.

    Vom Huchenfischen hört man das ja auch, dass sie alle gleichzeitig fressen und wenn einer gefangen wird oft an dem Tag mehrere erwischt werden.

    Der Kaltwettereinbruch jetzt ist natürlich absolut schlecht und damit das gezielte Welsfischen vorbei heuer.

    Ein paar werde ich vielleicht noch aus den Löchern herauskitzeln können wo sie sich einstellen so ab Dezember, ich werde berichten.