Meteorologischer Winterbeginn ...

  • Gestern hör‘ ich im Radio was von „meteorologischer Winterbeginn“, na dann … tags davor hab‘ ich in einem sehr netten Telefonat das „Go!“ bekommen, dass ich eines meiner Saisongewässer 2020 bereits für den Rest des laufenden Jahres befischen darf, danke an dieser Stelle nochmals an die Verantwortlichen falls hier jemand mitliest …


    Kurz vor 12 Uhr mittags sitze ich im Auto, der Temperaturfühler des Nissans zeigt satte 2 Grad über Null und meine Vorfreude kennt keine Grenzen. Ich will einfach nur ans Wasser, die Zeit der Warterei ist endlich vorbei! Da ich mein Ziel, eine Schottergrube in den Donauauen, nur von einer einzigen kurzen Besichtigung her kenne, hab‘ ich vorsichtshalber gleich drei Spinnstöckchen mit dabei und ein ordentliches Köderarsenal. Viele Teile davon sind zehn Jahre und älter, so eine Angelpause hat halt auch positive Seiten. Ich besitze vermutlich Wobblermodelle, die heute kein Fisch mehr kennt (hat übrigens schon mal jemand von euch so eine Plano-Box geöffnet, in der eine Dekade lang Gummiköder unangetastet rumlagen?). Manches musste aber auch unbedingt neu angeschafft werden, wer geht denn um diese Jahreszeit raus und hat nicht zumindest einen geflavourten Gummiköder mit dabei? §/:wacko:


    Etwas später steh‘ ich in der spätherbstlichen (oder doch schon frühwinterlichen?) Auidylle bei ganz nett auffrischendem Wind und weiterhin zarten Plusgraden. Ich wickle mich in meinen warmen Zweiteiler, dazu nehme ich vorsichtshalber die Winterwanderschuhe für untenrum und ein Wollhauberl für obenrum.

    Ich steck‘ eine mittlere Spinnrute zusammen, montiere (natürlich!) einen nagelneu angeschafften und nach ich-weiß-nicht-nach-welchem-Wasserunwesen-duftenden Gummiwurm mit Hammerschwanz an einen Jighaken und mache meine ersten Würfe … was für ein Gefühl, ich war viel zu lange weg 😊


    Wie’s halt so kommt an einem noch recht fremden Gewässer, steh‘ ich keine 20 Würfe später um zwei Gummiwürmer samt Jigs ärmer da. Da gibt’s wohl doch das eine oder andere Totholz im Wasser, das ich mir für weitere Besuche vielleicht merken sollte. Abgesehen davon hab‘ ich das Gefühl, dass die Rute zu schwer/unsensibel oder die Bebleiung zu leicht ist. Da ich nicht schwerer fischen möchte als nötig, latsch‘ ich zurück zum Auto, wechsle den Stock und schnapp mir die leichteste Rute die ich mithab‘. Dem nicht genug, montier‘ ich ganz flippig aus dem Bauch heraus einen anderen Köder, einen knapp 10 cm langen, dunklen GuFi mit schockfarbenem Schwanzteller. Das Modell kenne ich noch „von früher“ und hat damals Fische gefangen, warum also nicht auch heute …


    Ich klopfe brav am Ufer entlanglaufend einen Platz nach dem anderen fächerförmig ab und hab‘ trotz nicht gerade idealer Bedingungen eine Riesenfreud‘ fischend am Wasser zu sein. Manchmal fällt es mir schwer zu spüren was am anderen Ende der Schnur los ist, mir fehlt halt die Übung und auch der immer wieder auffrischende Wind pfeift öfters ungut beim Wurf seitlich in die Schnur und lässt wenig hilfreiche Schnurbögen entstehen.


    Irgendwann, so nach etwa zwei Stunden des Jiggens bilde ich mir ein, in meinen doch recht kalten Fingern sowas wie einen zarten „Anfasser“ zu spüren. Ich bin augenblicklich aus der Monotonie des Werfens und Kurbelns gerissen und hellwach, lass‘ instinktiv den Köder ein paar Zehntelsekunden länger liegen als sonst und als sich tatsächlich die Schnur bewegt hau‘ ich an wie in besten Zeiten … und wenig später hab‘ ich zu meiner Überraschung einen schönen Barsch im Kescher! Ich kann mit Worten gar ned beschreiben wie’s mir geht, steh' da mutterseelenalleine in der Au und hätte fast geheult vor Freude über dieses Fischerl! Schnell z’sammreißen, Haken lösen und zurück ins Wasser mit der stacheligen Schönheit … so warm wie in diesem Moment war mir den ganzen Tag nicht 😊



    Weil doch noch ein bisserl Zeit übrig ist bis es dunkel wird, und dank Barsch und Tee ich keine Kälte mehr fühle, zieh‘ ich weiter und fische Platz um Platz ab …


    Mit langsam einsetzender Dämmerung legt sich langsam der Wind und lässt mein Gespür für den Köder etwas besser werden. Wurf, Absinkphase, gleich müsste er unten … „tock“ … aber meine Reflexe sind noch nicht wieder gut genug, also verschlaf‘ ich den Moment in dem ich eigentlich den Haken setzen sollte … instinktiv jigg‘ ich nochmals gaaanz kurz an und krieg‘ tatsächlich meine zweite Chance, diesmal zieh‘ ich durch und der Fisch hängt, juhuuuuu! Gleich darauf liegt ein nicht allzugroßer Zander im Kescher, und ich freu‘ mich ein weiteres Mal wie blöd, könnte tanzen in der Au … ich kann’s noch! Weil ich nicht sicher bin, ob er Maß hat, erspare ich ihm das Prozedere und lasse ihn so schnell als möglich wieder schwimmen … auf Wiedersehen, es hat mich sehr gefreut!



    In einem absoluten High befindlich, werfe ich am Rückweg noch einen Platz ab, weil der einfach zu gut aussieht, um daran vorbeizurennen … Irgendwann hab‘ ich beim ankurbeln das G’fühl, da hat sich ein Blatt oder ein Ästchen am Köder eingehakt … oder, da bewegt sich doch was?



    Es ist kein Blatt, kein Ast, .... aber, wer ist hier der Bass Assassin? :S


    Ich grinse noch heute … und ... ich bin wieder da :)


    Liebe Grüße,

    Christian

  • Servas Christian,


    es freut mich besonders dass du bei deinem vorverlegten Einstandstrip an dem Auteich in deinem zukünftigen Revier-Portfolio gleich so erfolgreich warst :thumbup: ... ist zu dieser Jahreszeit nicht mehr so einfach an einem unbekannten Gewässer gleich zwei und 1/8 Räuber zu erwischen


    der "spofianische Vorstand" ist schon sehr freundlich und sehr zuvorkommend ... sowas nennt man eben gelebte Kundenpflege ... vorbildhaft b-;b-;


    dickes p-: zu deinen Fängen ... ich kann deine Freude sehr gut nachvollziehen ... danke fürs Teilhaben an deiner Freude und für's Mitnehmen an dein Revier !!


    und ja ... DU BIST WIEDER DA !!!

    LG
    Reinhard


    "Wenn der Lebensraum ausreichend ist, dann wächst jedes Jahr zu, und wenn man das mäßig und bescheiden nutzen will, dann reicht das."


    Stefan Guttmann

  • ja, Super! Wilkommen zurück w-)


    da hast ja bei dem vorzeitigen Neueinstig schon schön abgeräumt, Prosit p-:


    ist wie beim Radlfahren oder Eislaufen ;)



    ist dein kescher gummiert? falls nicht, das ist DIE Erfindung der letzten Jahre... den unterschied merkst wenn du den benutzten Kescher im Auto liegen gelassen hast... 8o:lach:

  • Ein wirklich schöner Bericht, ganz viel Gefühl mit dabei! Danke fürs Teilen.


    Und gleich so schöne Fische, der 1. Barsch sowieso, dickes Petri dazu!


    Ja die alten Boxen, die mach ich lieber gar nicht mehr auf. :D irgendwann vereinen sich die Gummis dank verschiedenster Weichmacher zu einem Baaatz sondergleichen. §$


    Das Gefühl aus der Monotonie des Werfens gerissen zu werden kenn ich zwar, aber bisher hab ich eigentlich so einen Biss dann nie verwerten können. Wenns zu lange monoton ist, schlafen die Reflexe auch ziemlich ein bei mir.. ich finde das hast du jedoch super umgesetzt und bist selbst zum "lauernden Räuber" - ganz ähnlich dem Esox - geworden. §!

  • Wirklich ein sehr netter Bericht.


    Ich musste besonders an der Stelle lachen, wo geschrieben steht, dass manche der Kunstköder so alt sind, dass die heutigen Räuber sie nicht mehr kennen (und wohl verdächtig finden) .


    Ich habe ja nie Angelpause gemacht, allerdings gehe ich auch nicht so wie andere sehr beharrlich hunderte Tage pro Jahr fischen. Die paar Mal in jeder Jahreszeit, wo ich es rausschaffe, reichen mir.


    Aber ich habe auch noch Kunstköder, die sogar aus meiner Anfängerzeit stammen und die noch fangen. Und meine Anfängerzeit liegt bald volle 5 Jahrzehnte zurück.


    Ich wünsche Dir weiterhin viel Petri Heil.