Das letzte Einhorn

  • Mein Freund aus Innsbruck signal(isier)t am Mittwoch: Hab morgen und übermorgen frei; ich komm übers WE vorbei, passt das?

    Ich check die Lage und nehm mir Montag und Dienstag auch gleich frei - der Erholug wegen - passt das.


    Die eigentliche Mission


    Fischen sollte dieses WE wenn überhaupt eher ein Nebenschauplatz sein; wir haben gehört, dass auf der Antonshöhe im Neolithikum Feuerstein abgebaut wurde. Wir parken direkt am Maurerwald. Mountainbiker, Wanderer, Hundespazierer, viele rote Jack Wolfskin Jacken, die Karte kann nicht stimmen, verlaufen. Setz ma us mal nieder und Flachmann. WAS - gibts nicht, Hornstein? Am Haueisen ausprobiert - Funkenregen! Wir suchen weiter und finden auch noch einige Silex. Das das so einfach geht haben wir nicht gedacht.







    OK, wir gehen zurück; am Parkplatz sieht mein Freund einen sehr geraden Holler. Noch dazu bereits abgestorben und sehr trocken. Beim Bowdrill sind wir mittlerweile recht gut - das funktioniert jetzt sogar schon an nassen Tagen mit frisch gesammeltem Material. Handdrill beim Kollegen nur unter klinischen Bedingungen, bei mir noch nie. Schnell noch etwas Fichte fürs Brettl gecheckt. Hat trotzdem nicht funktioniert, aber so knapp wie deses Mal war ich noch nie an einer Glut dran...








    Die neue Mission


    Einen Tag Fischen an ein bisher unbekanntes Gewässer wird beschlossen. Nach endlos langer Diskussion wos morgen konkret hingeht, bleiben die Steyr Grünburg in OÖ und der große Kamp direkt in Gars auf Hejfish jeweils als Tab offen. Das Premiumwasser wär geil, weil eben geil. Der Kamp weil billig UND: erstens liebe ich es in solchen Mischgewässern trotzdem das Einhorn zu finden UNDUND ein Satz in den Bestimmungen:

    "Um den geringen Bestand an Bachforellen, welche sowohl PKD als

    auch den Winter überlebt haben, zu erhalten, ist ab 2017 die

    Entnahme von Bachforellen gänzlich verboten."


    Wir können uns nicht einigen und werfen eine Münze.


    In der Früh angekommen, ists saukalt, der Wind geht und es gibt in diesem Fluss wenig Wasser und Fließendes. Im Frühling hätt das wohl anders ausgeschaut...










    dafür viele Blätter und Wasserpflnazen







    und Signalkrebse







    und einen Biber biblischen Ausmaßes! In einen Meter Entfernung ist er an mir vorbei geschwommen, damit hab ich nicht gerechnet, mich hats richtig grissen...

    Was solls, im Notfall fischen wir auf Hecht(das soll laut Revierbeschreibung ja super gehen). Oder auch nicht - die schweren Ruten haben wir(ich) daheim gelassen. In der Früh alles schnell schnell ohne System zusammenpacken, hat seinen Charme, aber auch seine Nachteile...

    Wir gehens an. Stundenlang keinen Biss, was solls, wir haben eine Riesenhetz und brunzen uns vor Lachen teilweise fast an.







    An einer Stelle wos ein bischen stärker fliesst, fangen wir zwei Satz-Regenbogen mit kaputten Flossen und freuen uns wie die Irren darüber! Die werden mitgenommen fürs Rohr.

    Es wird später, wir sehen und vorallem fangen keine Fische. Jetzt die 8er oder eine Spinnrute und Hechte, das wärs...







    In der wilden Brandrede, die ich am Vortag, schon recht illuminiert, für dieses Gewässer wild gestikulierend gehalten habe gings darum, dass man da erst recht einen besonderen Fang haben kann. 40, ja 50cm können solche ganz seltenen aber nur auf uns großartigen Fischer wartenden Bachforellen haben! Das ist viel mehr wert als die im Premiumgewässer von selbst in den Kescher springenden Fische und sowieso ist die wahre Kunst die Bescheidenheit blablabla. Dazu hatte ich natürlich auch die entsprechenden Bilder im Kopf. Mittlerweile glaub ich den gazen Grompf natürlich selbst schon lange nicht mehr. Der Tag war aber trotzdem sehr lustig, Einhorn hin oder her. Die Sonne geht bald unter und wir sind nur noch ein paar hundert Meter vom Auto entfernt.

    Hauptsächlich um so zu tun als wäre das Trash-Wasser-Märchen immer noch eine mögliche Realität: "Da siehst das Loch am Rand - genau in sowas wohnen solche letzten großen Bachforellen - in jedem Revier." "Na dann..." Ich nehme eine kleine, leichte Pheasant Tail Nymphe, damit sie nicht gleich am Boden aufschlägt und hängen bleibt. Wurf, Drift, BUMM. Nicht das kurze fap-fap-spring-spring-besatzrainbow-trallala von vorher, sondern starke Kopfschläge von unten heraus und es spielt den Rollenknattertango, dass es nur so pfeift. Ich hab dieses mystische Wesen bei den... well, am Horn.







    Durch meine Metzgerhände, das schlechte Licht und die Handykamera wird das Photo dem Fisch nicht wirklich gerecht - er hatte eine tolle Torpedoform, wunderchöne Zeichnung am Kopf und große schöne Flossen, wie so ein Einhorn halt ausschaut. Am Abend haben wir die Beute von davor mit Erdäpfeln im Rohr gemacht, jede Menge Bier getrunken und es sind dann noch überraschend Leute, die ich kaum kenne, vorbeigekommen um ihr Baby herzuzeigen. Ein genialer Tag! :-)

  • Haha, witziger Bericht wieder! §$

    Revier kenn ich bisl.. es werden ab und zu so große Bachforellen gefangen, schön dass ihr auch unter den Glücklichen sein durftet.

    Aber Hauptsache ihr habt euch beinahe in die Wathosen gebrunzt. :) Liest sich sehr geil, so bisl wie ein Kleine-Jungs-Abenteuer, nur eben mit Erwachsenenspäßen. g:-

  • so wie immer sehr lässig zu lesen. In dem Revier hab ich einen Schneider das Fliegen beigebracht und ganz viel Otterkacke und Otterrutschen gesehn. Hab mir wirklich schwergetan dort. Flussabwärts beim Hechtfischen war ich dann wieder ein bissl glücklicher.


    Doppelten Respekt da so einen genialen Fisch rauszuzaubern 8)§$§!

  • Servas Gerhard,


    immer ein wirklich ehrliches Vergnügen deine Erlebnis- und Fangberichte zu lesen ... die ersten beiden Fotos wirklich gut gemacht ... die Zündlerburschen beim Üben :O


    um diese Jahreszeit dort am Kamp zu fischen muss man fangtechnisch schon sehr leidensfähig sein ... wie du ja schon etwas illuminiert von dir gegeben hast ein wirklich tolles Mischgewässer in dem Bereich und auch ein wahres Kleinod ... wirklich cool, dass ihr dann aber doch noch eines der letzten Saison-Einhörner aus dem Höhlengumpen holen habt können ... trotz deiner Metzgerhände sieht man das Potential dieses Fisches aber noch recht gut b-;


    p-: und Dankeschön für's Mitnehmen !!

    LG
    Reinhard


    "Wenn der Lebensraum ausreichend ist, dann wächst jedes Jahr zu, und wenn man das mäßig und bescheiden nutzen will, dann reicht das."


    Stefan Guttmann

  • Faszinierend zu lesen. Ich war schon so oft spazierengehen in Mauer (meine Frau und ich wir gehen vom 13. Bezirk normalerweise zu Fuß über Mauer bis nach Perchtoldsdorf), aber die Antonshöhe muss irgendwie an mir vorbeigegangen sein.


    Ich kenne in Mauer in der Nähe vom Pappelteich nur noch die sogenannte "Jura-Klippe", ebenfalls ein Steinbruch als der Frühgeschichte. Allerdings haben sie das total zuwachsen lassen, heute erkennt man kaum mehr etwas. Wie ich noch ein Kind war, war das ganz klar als Steinbruch erkennbar...…..


    Der Kamp genau dort in dieser Gegend...…. das ist dann ja unterhalb vom Stausee Ottenstein.

    Ich weiß nämlich, mein Fliegenfischerverein hatte dort vor 2 Jahren sein 10 jähriges Jubiläum bei einem kleinen Outdoor Fest gefeiert (@miguelfue war auch dabei !) und wir kuckten natürlich den Kamp an und fragten, was dort so herumschwimmt, ich hätte gedacht eher Barben und vielleicht Wildkarpfen und paar Räuber, aber wurde belehrt, dass dort das Wasser wegen der Staumauer weiter oben viel zu kalt ist und eben Forellen vorkommen.


    Danke für den wirklich interessanten Bericht. Ich kenne "Kamp-Forellen" ja nur von viel weiter oben, vom legendären "Kleinen Kamp", den ich gerne hin und wieder befische.

  • Dankeschön Leute! :-)






    bist ja quasi auch Brandverhüter wie ich:lach:.

    haha §$





    Haha, witziger Bericht wieder! §$

    Revier kenn ich bisl.. es werden ab und zu so große Bachforellen gefangen, schön dass ihr auch unter den Glücklichen sein durftet.

    Aber Hauptsache ihr habt euch beinahe in die Wathosen gebrunzt. :) Liest sich sehr geil, so bisl wie ein Kleine-Jungs-Abenteuer, nur eben mit Erwachsenenspäßen. g:-

    owohls mans kaum vermuten würde... Und ja: wir spielen gern draußen §$





    so wie immer sehr lässig zu lesen. In dem Revier hab ich einen Schneider das Fliegen beigebracht und ganz viel Otterkacke und Otterrutschen gesehn. Hab mir wirklich schwergetan dort. Flussabwärts beim Hechtfischen war ich dann wieder ein bissl glücklicher.


    Doppelten Respekt da so einen genialen Fisch rauszuzaubern 8)§$§!

    ja Otterrutschen gibts einige dort... Ein schwieriges Mischgewässer(für einen Fliegenfischer), das dafür dem Einheimischen von der Forelle über Barbe, Kaprfen bis Hecht wohl viel bietet... :-)




    @Gerhard: wir wissen nichtmal ob wir den Steinbruch gefunden haben - ausgesehen hats nicht danach - war ähnliches Glück wie mit der Forelle... Aber ein toller Wald zum Spazieren und Wandern - vorallem weil keine Monokultur, sondern richtig schöner Mischwald, mit vielen Laubbäumen (von denen ich nichtmal alle kannte). Aber Feuerstein wars auf alle Fälle - die Funken sind gespritzt und wir konnten mühelos damit char cloth, also verkohlten Baumwollstoff, damit entzünden. Die Qualität ist aber nicht berauschend, bricht sehr schnell - wir haben schon gemutmaßt, ob wir nicht die dagelassenen Reste von Profi-Feuersteinsuchern gefunden haben, weil alles so nah beisammen war... §$


    Ah deshalb gibts wohl nicht nur Besatzforellen, interessant! Aber insgesamt ist das Wasserl natürlich kein Vergleich zu eurem Bernsteingewässer mit ausschließlich Wildfischen und kompletter Natur rundherum.


    Aber wenn mir in dern nächsten Stunde nicht noch was gscheites einfällt, fahr ich nochmal hin Hecht fischen, aber jetzt mal den Kaffee fertig trinken §$

  • Mega Bericht - Danke mal vorab dafür und natürlich ein kräftiges Petri.


    Finde es sehr geil, dass es dann doch das schwierigere Gewässer wurde und ihr trotz stundemlangem Schneiderseins nicht aufgegeben habts und sich diese wunderschöne BaFo erbarmt hat. Würden wahrscheinlich nicht viele dort fangen.


    LG

  • Ich find schön, dass deine Fischstories immer ein Happy End haben. :D

    Bowdrill und Handdrill muss ich auch mal ausprobieren. Hab ich schon länger vor.

    Danke für die tolle Geschichte.

    nur solche werden berichtet, die anderen, insbesondere die Schneidertage, bleiben genauso wie "the one that got away" streng unter Verschluß! §$

    Wegen BD und HD kannst Dich gern mal melden - HD kann ich mittlerweile recht gut - auch ohne daheim vorgetrocknetes Material wie es viele youtube-bushcrafter machen :O Handdrill ist wirklich was für Profis...



    Mega Bericht - Danke mal vorab dafür und natürlich ein kräftiges Petri.


    Finde es sehr geil, dass es dann doch das schwierigere Gewässer wurde und ihr trotz stundemlangem Schneiderseins nicht aufgegeben habts und sich diese wunderschöne BaFo erbarmt hat. Würden wahrscheinlich nicht viele dort fangen.


    LG


    Unser Glück war, dass wir kein richtiges Hechtzeug mithatten - sonst wär der Tag eh anders ausgegangen - nämlich mit Schneider oder blutiger Hand - so wie immer wenn ich einen Hecht fange... :S

  • Hahaha, spitzenmäßig geschrieben! §!§!§!

    Die Story ein Traum, literarisch einzigartig.

    Dickes Petri zu dem nassen Einhorn, fehlt nur noch der Feenstaub zum Fliegen ;)


    Meine 4-jährige Tochter ist auch grad voll auf dem Einhorntrip,

    Einhornkleidung, Einhornkinditasche, Einhornbecher, etc., etc. ...

    Muss ihr glaub ich mal ein paar Flossen an die Einhörner malen... ^^

    er hatte eine tolleTorpedoform, wunderchöne Zeichnung am Kopf und große schöne Flossen, wie so einEinhorn halt ausschaut.

    ...damit sie gleich lernt, wie Einhörner wirklich ausschauen.



    Schönen Gruß