Krank wie Sau I no fucks given…

  • Ich war die ganze letzte Woche ziemlich krank, am Samstag bin ich noch gelegen und hab Tee getrunken. Am Sonntag stehe ich auf, nicht viel besser, aber dieses Gefühl ist da, das hat man manchmal… Ich trink zwei Asprin C, Kaffee und fetz los. Im Höllental angekommen merke ich wie fertig ich bin, alleine von der Autofahrt. Ich will mich nicht anstrengen, nicht schwitzen. Ich packe die Wathose in den Rucksack, binde die Watschuhe drauf, nur nicht schwitzen…


    Rückblende:

    Ich hatte dieses Jahr eine super Schülerin, die gleich mehrere Kurstage gebucht hatte.

    Sie hat dieses Fischgen, es gibt solche Leute: sie fängt immer und immer und immer: gute Fische – vom ersten Tag an, ist konzentriert und komplett hooked.

    Wir sind dann auch so ein paar Mal fischen gewesen. Gleich relativ am Anfang hab ich sie auch an mein neues Jahreskartengewässer, die Schwarza, mitgenommen. Die Fische dort sind wunderschöne, freche Holly Golightlys – aber meist genauso zierlich, wie das halt ohne Besatz in einem Oberlauf so ist… Also man hat oft Breakfast at Tiffany’s: schön von draußen anzusehen, der Kaffee schmeckt, aber in der Regel fährt man ohne Hochkaräter wieder heim…

    Aber ein paar Ausnahmefische bietet die Schwarza trotzdem: da gibts zum Beispiel so eine Äsche. Der Aufsichtsfischer, der jeden Tag beobachtet und alle großen Fische im Revier kennt, versucht selbst schon das ganze Jahr sie zu erwischen. Ich kenn sie auch – aus der Entfernung…

    An diesem Tag haben wir sie zuerst von oben beobachtet: sie war aktiv, unser Puls auch. Wir gehen runter, es ist recht windig, ich recht Gentleman: „Du kannst sie anfischen.“ Sie zeigt gleich irre viel Reife: Wartet und wartet, bis sich ein Fenster auftut wo ein gescheiter Wurf, möglich ist. Inzwischen kommt oben an der Brücke ein Bauarbeiter vorbei (wer die Gegend kennt – heuer wurde über Wochen hinweg die Höllentalstraße ausgebessert) – ein Fischer! Wir quatschen ein bissl, er kennt die Äsche auch schon und spottet sie uns. Sie wirft (16er Perdigon-Nymphe, 14er Vorfach) und - Ich kanns nicht glauben – verwandelt den Biss. Das Vorfach reisst…

    Seither haben wir öfters über diesen Fisch gesprochen, ich hab ihn auch noch ein paar Mal gesehen, aber nie fangen können.


    Das Wasser ist sehr, sehr niedrig. Kaum Fische sichtbar am Weg zum Spot. Ich schaue von der Brücke runter und sehe sie nicht, wo sonst kleine Wellen sind, ist eine glatte, schnapsklare Fläche. Wo sonst der Ausnahmefisch steht, ist nichts. Am Spot unten ziehe ich mich um: Wathose, Halstuch und Haube. Ein neues 4,70 gezogenes Vorfach, Ringerl, 1,20m 0,12 Tippet, daran ein 22er Oaschal. Das Gefühl von der Früh ist immer noch da, heute fange ich sie.

    Knieend mache ich einen konzentrierten Wurf in Richtung gewohnten Standplatz. Sie steigt, schnell auf die Fliege zu, was für ein Trum. Nichts, ganz knapp davor dreht sie sich weg. FUCK. Der Verstand erinnert sich an vergangene Erlebnisse mit ihr und meint das wars, das Gefühl sagt, bleib ruhig, heute fängst Du sie. Wars das Vorfach, die Fliege, der Wurf? Ich wechsle auf ein 0,10er Vorfach und eine andere „Fliege“: einen 22er Haken mit einem kleinen Hechelkranz, kein Körper, kein Schwänzchen, diese absurde Art des Fischens auf seine pure Essenz reduziert: ein paar feine Härchen, die die Wasseroberfläche durchstoßen. Jetzt brauchts meine Reife. Ich warte. Ich warte. Ich warte. Ich spüre es. Jetzt! Der Take ist die sanfte Fressknigge eines alten Fischs, ein Kolibricunnilingus in Zeitlupe: Heften, Haken sitzt.

    Ich komme: schnell ins Wasser, er will flussab, ich renn hinein um ihn zu erschrecken - mit dem Vorfach wärs das. Funktioniert. Sie reisst mir gach 10, 15 Meter Schnur von der Rolle (ich bremse kaum: Vorfach und eh flussaufwärts), springt einmal, aber das wars, keine Strömung für aufgestellte Fahnenflüchtige. Der Rest geht ganz schnell.








    Epilog: Das war trotz viel Glück heuer: drei kapitale Forellen und fast eine handvoll ca. halbmetrige Äschen, eindeutig mein Fisch des Jahres. Er ist glaub ich schon recht alt, für seine eindrucksvolle Länge fast schon schlank gewesen; möglicherweise hat er seine Gene bereits zum letzten Mal weitergegeben…

    Ich hab mich schon lange nicht mehr so über einen Fang gefreut! Mittlerweile fische ich meist ohne Fotoapparat, hier musste ich aber einen (miesen) Schnappschuss mit meinem 35 Euro Telephon machen. Der Aufsichtsfischer, sonst eher wortkarger Beobachter, ist richtig aus sich rausgegangen und hat sich am Telephon mit mir gefreut und ich kenn jemanden der dieses WE unbedingt auch noch seine Chance haben will…

  • Servas Gerhard,


    Sensationell geschrieben ... ich habe sowas von mitgefiebert mit dir ... kurz und bündig ein wirklicher Ausnahmefisch für dieses Gewässer ... top !!


    fettes Petri wünsche ich dir !!


    d-;


    deine Wortkreationen sind auch immer sehr amüsant zu lesen ... Kolibricunnilingus .... sensationell ... i hau mi o :lach::lach:

    LG
    Reinhard


    "Wenn der Lebensraum ausreichend ist, dann wächst jedes Jahr zu, und wenn man das mäßig und bescheiden nutzen will, dann reicht das."


    Stefan Guttmann

  • Ein sehr schönes Comeback von dir. Danke für die amüsante und gleichzeitig spannende Abendlektüre. §!

    So ein happy End, bäm!! §$

    Das Foto untermalt den Bericht übrigens eh fast besser als eine Hochglanzpräsentation.

    Sieht eben genau so aus als hättest Tränen in den Augen und 2 Aspirin im Hirn. :lach:

    Nein im Ernst, passt gut dazu!

  • ohhhhh der Hr Mastercaster....extrem cooler Bericht....die sind mir echt abgegangen.....die Geschichte mit der Schülerin...ich dachte sie geht anders weiter:lach::lach::lach:. Sehr schöne Äsche. Den Dopingtest hättest aber vermutlich nicht geschafft:lach:

  • Ganz großes Kopfkino, wirklich hervorragend geschrieben und mir sind Deine Geschichten schon fast ein Jahr abgegangen.

    Ich kann mir vorstellen, dass der Fang der tollen Äsche heilende Wirkung hatte und dann die Grippe wie weggeblasen ist.


    Ich hatte, bevor ich mein jetztige JK-Wasser hatte, regelmäßig die Schwarza, eh hauptsächlich im Herbst mit TK befischt und Äschen bis 45cm waren bei mir auch drinnen.


    Eine besonders große wurde die "Klodeckel-Äsche" genannt. Wenn ich nicht wüßte, dass Äschen nicht sehr lange leben, hätte ich schon fast vermutet, Deine ist die "Klodeckel-Äsche".


    Die hatte ich nämlich auch mal kurz dran und verhaut. Der Grund war folgender: Ich hatte am Parkplatz meine Brille verloren (damals hatte ich noch nicht so die Lupe am Kappenschirm ) , brauchte daher gut 15 Minuten, um eine Fliege durchs Öhr zu fädeln, und fischte dann etwas unkonzentriert, und versemmelte den Biss einer auch etwa 50cm Äsche, die wäre meine Lebensäsche gewesen.

  • WOW - total fesselnder Part um die Lebensäsche! Wirklich toll geschrieben g:- Herzlichen Glückwunsch, Beharrlichkeit zahlt sich halt manchmal doch aus!

    Super auch die Story um die Schülerin, kenne das nur zu gut, manche haben ein richtiges Fischgen und egal wie, wo und wann, ihre Fische fangen sie nahezu immer.

    Denke unser Bernhard hat auch einiges von diesem Fischgen mitbekommen ;)

  • Sieht eben genau so aus als hättest Tränen in den Augen und 2 Aspirin im Hirn. :lach:

    haha - so ähnlich wars eh! :D

    Ja - für eine Weile war jede Krankheit weg! :D


    Heuer war anscheinend sowieso ein besonders gutes Äschenjahr, was mir längjährige Schwarza-Fischer erählt haben... Ich finds bis jetzt noch immer sehr beeindruckend zu welcher Größe es ein paar in so einem Gewässer gebracht haben...

    Also wenns die Schwarza- oder Überhaupt-Lebensäsche sein soll, dann gehs heuer noch an, die Chancen stehen gut! (Im Fall hätte ich ein paar Standplatztipps...)




    Dankeschön Leute! :-) Ich weiß, ich bin nicht mehr so der fleißige Poster, kaum noch im inet unterwegs, aber wenns passt, kommt wieder ein Bericht. Ich will halt eigentlich immer gute Photos und eine Story dazu...


    Das Revier ist noch einen Monat offen und es gibt zwei RICHTIG große Forellen, die SEHR schwer anzufischen sind - stehen unterhalb ganz starker Oberflächenströmung - um hinzukommen hatte ich eine besondere Taktik: einen Huchenstreamer 10m stromauf mit loser Schnur gegen die Felswand pfeffern - wo etwa einen halben Meter breit ein etwas ruhigerer Bereich ist und schauen dass ich runter komm... Hab ich oft erfolglos probiert, eines Abends aber kam dann ein Biss in eh fast Huchenmanier - und der Haken ist gebrochen... §$ Wenn das noch hinhauen würd...

  • Jo was soll man groß dazu sagen... :D Einer der besten Berichte, die ich seit Langem gelesen hab.


    Da steckt so viel mitdrin. Eine Wucht. Ist aber auch nicht jedem von Gott gegeben, so ein Schreibtalent. Umso schöner wenn du es mit uns teilst. Vielen Dank dafür.


    Petri Heil meinerseits und schön, dass du diesen Fisch für dich überlisten konntest.


    Herrlich...


    LG V.

  • Servus Gerhard, ich war life dabei, aber hab den Anhieb verschlafen!

    Also wie du das schreibst und ich das so lese, ich konnte mich wirklich in die Szene reinversetzen so wie im Kino mit einer 3D-Brille!

    Großes Petri Heil zu dieser wunderschönen und schwierigen Asch!


    Lg

    Karl