Osterwochenende

  • Servus Freunde!


    Ich wollte mich auch wieder mal melden, habe aber noch keine Bilder zu meinem Bericht ... die schlummern als RAW auf der Kamera.


    Ich hatte drei Traumtage, die aber auch durchwachsen waren. Vor allem hat mich ein Bach schockiert, den ich in meiner Studienzeit oft befischt habe und der damals voll mit Fischen war. Ähnlich wie die Ois von Struktur und Qualität. Und jetzt 10 (naja 15) Jahre danach: Kaum Fisch zu finden und noch weniger zu sehen. Stellen, die früher eine traumhafte Trockenfischerei geboten haben, waren fischleer und mit der tief geführten Nymphe habe ich mit Müh und Not über den ganzen Tag fünf Fische gefangen! Früher wären das 50 gewesen. Sie waren meistens keine Riesen damals, aber immer wunderschöne Wildfische; Äschen, Bach und Regenbogen in rauen Mengen bis 30cm - alles darüber war schon ein guter eben. Heute fünf Bachforellen, keine Äsche, keine Regenbogen. Aber für den Bach eher gute Fische, also um 35-40cm. Keine Kleinen.


    Da fragt man sich schon, was denn passiert ist? Ich habe dann meinen Fischökologenfreund Clemens kontaktiert, der zufällig diesen Bach elektrisch befischt hat und mir bestätigte, dass mein Eindruck nicht so falsch war. Einige wenige große Bachforellen sind noch da, 30kg/ha, aber der Nachwuchs ist extrem überschaubar. Normal wären 100-120kg/ha (zB Ois).


    Gleich mehrere Ursachen kommen in Betracht, die dem Wasser sicher zu schaffen machen:

    - Der Gänsesäger hat massiv zugenommen und killt die kleinen Fische und die Brut.

    - Der Nazipark hat die Ausländer (Regenbogen) über Jahre hinweg elektrisch verfolgt und gekillt.

    - Der Otter dezimiert auch die großen Fische dramatisch, erwischt aber zum Glück nicht alle.

    - Die Kormoraneinfälle haben auch den Mittelbau dezimiert und die Äsche vernichtet.

    - Die Unpassierparkeit eines Wehrs zur Enns verhindert einen Wiederaufstieg von Äschen.


    Es ist einfach ein Drama, dass es für jedes Größenstadium unserer Fische einen spezialisierten Prädator gibt. Dann wird aus mE nur mehr ideologischen Gründen die Fischart ausgerottet, die noch am besten mit den Gegebenheiten zu recht kommt und die Möglichkeit der Kompensation dieser Verluste durch Migration wird auch noch durch ein sinnloses Querbauwerk verhindert. Ich bin kein Fischökologe, aber mich wundert es, dass überhaupt noch Fisch da ist. Ich hatte früher auch noch die Einstellung, dass ich nur heimische Fischarten in meinen Gewässern haben wollte, muss aber mittlerweile sagen, dass ich alles akzeptiere, was zurecht kommt, was reproduzierende Bestände ausbildet. Von einer Konkurrenz kann bei diesen Bestandsdichten ja ohnehin nicht mehr gesprochen werden.


    Dieses Erlebnis hat mich wirklich geschafft und traurig gemacht. Daher wollte ich es mir mal von der Seele schreiben. Jetzt bin ich auch schon wie die "alten Säcke", die von den guten alten Zeiten reden! Aber es ist bei unseren Fischbeständen wirklich kaum etwas besser geworden, seit ich die Rute schwinge...


    Ansonsten hatte ich aber drei spannende Fischtage - die Fischerei am Ramingbach war trotz Vorgesagtem wunderbar und herausfordernd. Die trübe Mur hat mich wieder mal kalt abserviert, weil ich nicht mit dem Streamer fischen wollte. Am Ostermontag hat mir die Steyr einen Tag beschert, der göttlich war! Eine 55er Regenbogen mit einer Brunner Rute auf Sicht! Mehr sog i ned!


    Also nicht nur Gejammere!


    Liebe Grüße, Petri Heil auch allen zu den berichteten Fängen!

    Hans

  • Also erstmal Petri zu den 5 gefangenen Fischen am besagten Bach..und Petri zum Steyrtag. Wichtig zum einen das du drei wunderbare Angeltage zum Entspannen gehabt hast....

    Leider sind die Bestände, die Besatzstrategien und was weis ich noch alles nicht ganz optimal. Ich kenn mich da auch zu wenig aus um hier fundierte Aussagen zu treffen....Clemens ( glaub der ist eh von meinen Verein der Ois) kennt sich da bedeutend besser aus.

    Ich habe Gott sei Dank 2 Reviere wo einerseits viel Fisch (mehrheitlich Besatz) und andererseit viel Wildfisch (Ois) drinnen ist. Ich denke aber das zum einen der Klimawandel (wärmere Gewässer), der Mensch (Staustufen, Wassermanagement,) und das Ungleichgewicht der Natur (Predatoren ohne natürlichen/künstlichen Feind) schuld an der Misere sind.

    Jedenfalls freue ich mich schon auf die Fotos....Danke für den Bericht

  • Servas Hans,


    Herzlichen Dank für deinen Erlebnisbericht von deinem fischereilichen Osterwochenende


    kann deinen Frust bzgl. des kleinen Baches schon sehr gut nachvollziehen ... 30kg/ha ist schon mehr als bedenklich ... aber schlussendlich doch noch eine wunderbare Fischerei an dem Wochenende und mit einem sicher wunderbaren, aufregenden Drill der 55iger Regenbogen an der Brunner


    Glückwunsch zu dem Wochenende und dickes Petri zu den Fängen ! ... bin schon sehr auf die Fotos gespannt :thumbup:

    LG
    Reinhard


    "Wenn der Lebensraum ausreichend ist, dann wächst jedes Jahr zu, und wenn man das mäßig und bescheiden nutzen will, dann reicht das."


    Stefan Guttmann

  • Interessante und traurige Beobachtungen, leider nicht das einzige Gewässer dem es so geht.

    Ja, was ist schon heimisch... die menschgemachten / importierten Probleme in der Pflanzen- und Tierwelt sind letzten Endes auch Produkt eines natürlichen Veränderungs- und Verdrängungsprozesses.

    Versteht mich nicht falsch, ich bin auch eher ein "Bewahrer", will an allem festhalten, aber die Wandlung ist unaufhaltsam und das Leben findet seinen Weg. Die Welt ist bisl aus den Fugen geraten, die Menschheit hat sich zu heftig bedient und tut es weiterhin. Vor ein paar Tagen noch 10, heute 28 ° bei uns... nur so am Rande bemerkt. §!

    Tja... Spätestens wenn die Erde ins Zentralgestirn köpfelt ist sowieso wieder alles Staub. :)

    Was mich allerdings nicht dazu veranlasst auf alles zu scheißen. Gerade deshalb, wenn's "eh wurscht ist" - sollten wir Verantwortung zeigen und uns allen gemeinsam eine gute Zeit machen, und auf unsere Erde und allem was drauf kreucht und fleucht acht geben solang es geht. So halt ich das zumindest. ;)


    Trotz der verständlicherweise trüben Gedanken eine herrliche Fischerei in wunderschönen Gewässern die du da schilderst. Danke dir für den Bericht und Glückwunsch zur 55er auf Sicht! §!

  • Servus Freunde!


    Ich wollte noch eine Kleinigkeit zum Ramingbach anmerken:


    Eine kleine Hoffnung bleibt letztlich, dass mein Eindruck aufgrund der frühen Saison und der kalten Wassertemperaturen doch noch ein bisschen negativer ausgefallen ist, als die Situation eigentlich gewesen ist. Es ist einfach immer noch ein sehr naturbelassenes Wasser, das auch vom Pächter, einem kleinen feinen Verein, mit sehr viel Liebe und Aufwand (Cocooning) bewirtschaftet wird. Ich hoffe zutiefst, dass das auch mit ein Grund war, warum mein Eindruck eben so traurig war! Ich habe noch eine Lizenz, die ich sicher heuer noch fischen werde, weil der Bach auch von der Schneeschmelze, die zB an der Steyr gerade erst so richtig los geht, nicht so dramatisch beeinflusst wird.


    Noch einmal: Danke für Eure Antworten und Petri Heil

    Hans

  • Hallo Hans!


    Du hast Recht mit der Jahreszeit, es wird noch etwas besser.

    Es sind schon vorwiegend die Prädatoren, die ein Salmonidengewässer nachhaltig schädigen können.

    In einem Zufluss zur Enns haben sich die Äschen wieder so erholt, dass es eine Freude ist ins Gewässer hinein zu schauen.



    Vielleicht können wir ja da mal die Leinen gemeinsam entrollen, bis dahin

    tight lines

    Gebhard


    tight

  • Servus Gernot!


    Ich fürchte leider auch, dass das etwas ist, an das wir uns gewöhnen werden müssen. Leider ist das nur nicht das Ende. Wenn ich hier keinen Nachwuchs mehr sehe, dann sind irgendwann die 30kg auch noch weg.


    Ich hoffe, dass ich mich irre und die Brut irgendwo versteckt war, wo man sie nicht findet und die Kleinen noch inaktiv.


    L.G.

    Hans