Holz stabilisieren....

  • Hallo liebe Leute,


    und wieder einmal ein neues Thema: Stabilisieren von Holz


    Immer wieder passiert es, dass ich ein schönes Stück Holz zum drechseln habe, aber leider ist es häufig spröde, rissig oder einfach zu klein.

    Also heißt es oft: ab in die Tonne. Ausser, man stabilisiert es mit Kunstharz.

    Man braucht dazu eigentlich nicht wirklich viel: Eine Vakuumpumpe, einen Vakuumkessel, sehr dünnflüssiges Harz + Härter und natürlich Holz.


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    Es wird also der Vakuumkessel mit dem Harz und dem zu stabilisierenden Holz befüllt (die Metallteile sind nur Gewicht), und dann baut man langsam das Vakuum auf.

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    Dabei ist darauf zu achten, dass es nicht überschäumt, wenn durch das Vakuum die Luft aus dem Holz gezogen wird.

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    Geduld ist angesagt:

    1. das Vakuum langsam aufbauen

    2. warten, bis keine Luftbläschen mehr aufsteigen und der Schaum "verflogen" ist. Ist man ungeduldig, zieht man auch die Bläschen ins Holz, wenn wieder Druck aufgebaut wird.


    Ist also die ganze Luft aus dem Holz, so wird wieder der normale Umgebungsdruck aufgebaut, dadurch wird das Harz ins Holz gedrückt - dorthin, wo vorher Luft war.

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    Anschließend lässt man das Harz ordentlich durchhärten. Mein erster Versuch waren ein paar Stücke, die eigentlich für die Tonne bestimmt waren, da sie zu rissig und zu porös waren.

    Dabei ist interessant, wie unterschiedlich die diversen Hölzer auf die Harzbehandlung reagieren:

    Hier ein Stück Kastanie, dabei bekommt man direkt Lust auf Karamell....

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    Und hie rein Stück Esche, das den natürlichen Charakter nahezu beibehalten hat. wenn man genau schaut, sieht man auch noch die Risse, die ein Drechseln unmöglich gemacht haben.

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    Was hat das jetzt alles mit einem Angelforum zu tun? Das werden einmal Rollenhalter:)

    Natürlich muss da noch poliert und lackiert werden, aber ich meine, es sind durchaus interessante Ergebnisse. Oder was meint Ihr?

    Das war also wieder ein kleiner Einblick in meine Werkstatt.


    LG, Peter

    Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen (Georg Friedrich Händel)


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  • Servas Peter,


    Interessantes Verfahren um aus eher Tonnenmaterial noch was schönes raus zu zaubern. Das Ergebnis spricht für sich und die Mühe hat sich gelohnt.


    Das Stück Esche ist ein richtiger "Charakterkopf" ... tolle Optik :thumbup:

    LG
    Reinhard


    "I have many loves and Fly-Fishing is one of them; it brings peace and harmony to my being, which I can then pass on to others."


    Sue Kreutzer

  • Den Begriff hab ich schon das eine oder andere Mal gehört, wusste aber nie was damit genau gemeint war.

    Also Licht ins Dunkel sozusagen. Danke dir und wirklich interessante Ergebnisse. g:-

    Du hast Recht, die Kastanie hat was Karamellartiges! :P

  • Sehr interessanter Einblick in deine Handwerkskunst! Vielen Dank für den Auszug.

    Das Eschenwerkstück gefällt mir besonders, so ein Rollenhalter könnt ich mir auf meiner Gesplissten vorstellen - irgendwann :O

    §!


    Schönen Gruß

  • Grüß dich Peter und alle andern Forianer !


    Eine sehr interessante Sache- du hast das Verfahren mir gegenüber ja schon einmal erwähnt . Irgendwie entstehen da fast "neue Holzsorten" !


    Als "technisch interessierter Laie" hätte ich ja eher mit Überdruck gearbeitet wie bei meinem Jägerzaun, der schon zweimal in einer Druckkammer war - bei der Herstellung und nach 30 Jahren zur Neuimprägnierung. Sind die Vorteile des Vakuums, dass da vermutlich überhaupt keine Luft drinnen bleibt?


    Wird kein Schnäppchen sein, deine Anlage !


    LG von Stefan

  • Danke für die Rückmeldungen!


    grusteve

    Ja, das Vakuum ist der Vorteil. Es wird ein Unterdruck von ca -1 Bar aufgebaut, und dadurch reicht dann ein sehr geringer Druck ( ca 1 Bar ) , um das Harz ins Holz zu bekommen.

    Anders wäre die Gefahr zu groß, dass man Luftbläschen ins Holz drückt - das Ergebnis wäre für die Tonne.

    Bei Imprägnierungen sind diese Bläschen egal, da sie ja nicht mithärten.

    Und so teuer ist diese Anlage gar nicht. Alles zusammen knapp unter 300 €

    Man könnte auch sehr viel improvisieren, aber ich wollte gleich wiederholbare Ergebnisse.

    LG, Peter

    Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen (Georg Friedrich Händel)


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  • Hallo,


    Finde ich sehr spannend!


    Interessant wären vorher nachher Bilder die zeigen wie sehr der Prozess das Holz verändert! Vielleicht kannst du uns das ja mal zeigen!!!


    Ändert sich dadurch auch das Gewicht der Hölzer?


    Bis zu welcher Größe kannst du da Risse „auffüllen“?


    Danke Lg Flo

  • Wie sich die Hölzer verändern, ist ganz verschieden. Manche Hölzer kaum, und andere verändern sich sehr stark. Aber nächstes Mal mach ich Bilder.

    Gewichtsveränderung hängt von der Dichte des Holzes ab. Je mehr Harz eindringt, desto schwerer wird das Stück.

    Meinst du die Größe des Werkstückes oder der Risse? Die Werkstückgröße ist natürlich durch die Kesselgröße limitiert. Bei den Rissen ist eigentlich interessanter, wie fein Risse sein können - Haarrisse werden ebenfalls gefüllt. Große Risse brauchen dieses Verfahren nicht.

    LG, Peter

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  • Genauso. Und nach der Harzbehandlung wird das Werkstück in Frischhaltefolie eingewickelt, so bleibt das Harz im Riss und kann in Ruhe aushärten.

    LG, Peter

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