Der Besuch der jungen Dame


  • Diesen Fangbericht hab ich im Juli geschrieben, aber nicht veröffentlicht, weil er mir nicht besonders getaugt hat, der Text bissl unrund war und die wichtigere der beiden Hauptdarstellerinnen nicht gut von mir photographiert wurde.
    Die zweite: eine Statue - Geschenk meiner Freundin - hatte ich gar nicht photographiert und jetzt freuts mich nicht mehr - sie ist die junge Dame und titelgebend... Da aber ein anderes Photo dieses Berichts den Photowettbewerb gewonnen hat, hab ich ihn jetzt doch wieder ausgegraben(und zum Glück noch gespeichert gehabt)... Anyway - viel Spaß! :-)





    Hallo Brüder und Brüderinnen!




    long time no Schinogl - busy as fuck; wird auch noch ein Weilerl so bleiben... Ich fische zwar jede freie Sekunde, aber für mehr bleibt keine Zeit.


    Hier ein Lebenszeichen und ein paar Ansichtssachen:



    Prolog


    Ich bin letzte Woche am Mittwoch direkt aus der Arbeit losgestartet: Darling, Slowenien, Wandern, Fischen... What happenens in Slovenia stays in Slovenia. Unter anderem die Rute meiner Freundin - in einem Wald, kurz hingestellt während der Wathosenauszieherei... ein Geburtstagsgeschenk ihres großartigen, wunderschönen Freundes btw. Also Sonntag Abend nochmal ins Auto und zurück in den slowenischen Wald. Stirnlampen und Glück sei dank haben wir sie wiedergefunden. Wir kommen um etwa Mitternacht ziemlich überdreht ins Bett. Ich stell den Wecker von 4 auf 5, damit ich ein bissl Schlaf bekomme.



    Der Besuch der jungen Dame


    4 Uhr: Die innere Uhr ist biologisch und stark. An Schlafen ist nicht mehr zu denken: der Mann will dem Wesen mit Hirn in Erbsengröße zeigen, wer schlauer ist. Kaffee ole! (nix au lait) und los, ich hab eine Karte für die Teichl oberhalb St. Pankratz. Ah und noch schnell das Geschenk meiner Freundin einpacken - eine wunderschöne Statue. Ich war schon vor einer Weile mal dort; wenig Fische, die aber in guter Größe - mein Ziel ist wieder eine große Äsche und eventuell findet sich ja eine massive Brownie, die ich auf Sicht sichte und fange. Wenn ich mit Freunden/Freundin/Kursteilnehmern unterwegs bin, bin ich im Entspanntheitsmodus, bissl die Fliegen baden, bissl blöd reden, bissl was fangen. Alleine schaut das schon anders aus. Ich beginne bei Sonnenaufgang und ende bei Sonnenuntergang. Meine Freundin meint bei der Abfahrt noch: vielleicht trinkst oder isst während des Tages ja mal was. Ich murmle etwas wilderseemann-a-men's-man-mäßiges in meinen Dreiwochenbart und küsse zart zum Abschied.


    Dann Autobahn, Ankunft Kraftwerk.
    Ich nehm mein Glump und wandere los in die bekannte Schlucht. Diesmal werde ich im Gegensatz zu Slowenien ein paar Büdln schießen; ich nehm dem Gewicht wegen nur eine Fixbrennweite (50mm).
    Das Wasser nebelt noch und ich überleg mir meine Strategie: so viel wie möglich beobachten, so wenig wie möglich blind fischen.




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    Es steigt nix - und ich sehe auch keinen einzigen Fisch. Der erste tiefe Zug - letztens hab ich dort eine sehr große Äsche erwischt. Ich bilde mir ein in etwa zweieinhalb Meter Tiefe was schwanzeln zu sehen. Das Vorfach wird grotesk lang gewählt. Ich brauche 4 verschiedene Nymphen um die Drift richtig hinzubekommen: eine schicke Äsche, nicht klein. Und ich merke, dass mein 50mm mein 80mm Objektiv ist. Bravo.




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    Das kann nicht alles sein - ich variiere die Drift, die Nymphen, 20 Würfe später steigt eine Bachforelle ein.



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    Hinter dem großen Stein ist das Wasser auch sehr tief, man kommt aber nirgends richtig hin - vorallem nicht so, dass man eine Nymphe wirklich gut runter bringt.




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    Hmmm, das könnte auch heißen, das da eventuell ein großer recht unbelästigter Fisch wohnt. Ich probiere eine schwere Nymphe rüberzuwuchten und hoffe auf ihr schieres Gewicht. Nützt. Nix.
    Der neue Zugang ist eine mittelschwere Czech-Nymphe über den großen Stein zu werfen und mit einem Air-Mend die Schnur auf die Kante des Felsens zu legen, sodass die Nymphe, wenn sie den Stein passiert, auf Tiefe ist und ich mit einem kleinen Ruck die Flugschnur runterfallen lasse und sie einigermaßen gerade ist und ich nicht menden muss wie verrückt, was mir die Drift auch wieder verhaut. Das ist der Plan. Der funktioniert etwa zehn Mal nicht wirklich. Ich glaub nun weder an die Nymphe, die Taktik und viel schlimmer nicht mehr an mich. Beim elften Mal geht der 4m hinter der Nymphe montierte Bissanzeiger trotzdem unter. Mein Körper weiß schon vor meinem Kopf, dass da was gscheites dran ist. Die Äsche springt 4 Mal - so richtig, mit Überschlag... Ich will sie unbedingt haben. Und heute habe ich ja ausnahmsweise einen Kescher mit - sollt nach der Airshow schon passen oder? Ich versuche sie zu landen, aber sie ist zu lang für den Kescher und rutscht einfach drüber. Fuck, bin ich ein Schauer. Nochmal. Nochmal drüber. OK, jetzt hätt ich mir verdient sie zu verlieren. Beim dritten Mal krieg ich sie rein. Das mit dem Photo wurde leider gar nix. Der Fisch ist so groß, dass ich messe - obwohl ich mir geschworen hab, keinen Fisch mehr zu messen - außer vielleicht eine Brownie über 70... Sie fetzt mindestens so kraftvoll ab, wie sie gekämpft hat. Eigentlich kann heute nichts mehr schiefgehen. Ausser das Photo:




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    Ich setz mich in den Schatten und bin entspannt genug um wirklich was zu essen und zu trinken:




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    Ich wandere schauend weiter - sehe keinen einzigen Fisch.




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    Also bleibts bei langem und teilweise superlangem Vorfach... Ich fange den ganzen Nachmittag ein paar kleinere Bachforellen.




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    Gegen Abend steigen die Äschen und es geht trocken noch bissl was.



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    Ich bin zufrieden und gehe zurück zum Kraftwerk/Auto. Wer die Stelle kennt - direkt oberhalb vom Kraftwerk sehe ich am jenseitigen Ufer noch was steigen. Eigentlich sinnlos, auf so eine Entfernung kiregt man den Anhieb eigentlich nie durch, aber ich werf halt hin - die komplette Schnur ist draußen. Nix. Ein Ministrip - zack - Stripstrike und Lift gleichzeitig, Fisch hängt. Ist eine kleine Bachforelle, aber ich freu mich fast so wie über die Äsche, ist erst das zweite Mal, dass ich einen Fisch auf so eine Entfernung fange.



    Epilog: jetzt steht eine Statue in meinem Schlafzimmer.

  • Super Gerhard 8)


    wäre wirklich schade drum gewesen, wenn du uns diesen Erlebnis- und Fangbericht aus der Teichl-Schlucht vorenthalten hättest


    Auch wenn die Hauptprotagonistin fotografisch nicht wirklich toll festgehalten ist, tut es deinem erlebten Fliegenfischertag keinen Abbruch. Finde den Text nicht wirklich unrund. Wie immer super erzählt, sodass man das Gefühl hat "dabei" gewesen zu sein .


    ein nachträgliches p-: zu dem stattlichen Äschenflaggschiff und deinem tollen Erlebnistag an einem wunderbaren Fluss !


    d-;

    LG
    Reinhard


    "Wenn der Lebensraum ausreichend ist, dann wächst jedes Jahr zu, und wenn man das mäßig und bescheiden nutzen will, dann reicht das."


    Stefan Guttmann

  • Danke Leute!



    Die Rute ist eine Stickman P5.


    Die werden vom Akos gemacht - derselbe Typ der für Paul Arden die Sexyloops Ruten gebaut hat. Er hat den Blank designed - Maxia baut ihn. Die Ruten werden in Ungarn zusammengebaut.


    Verarbeitungsqualit, Griff etc ist auf einem komplett anderem Level wie Stangenruten...



    Blank ist auch genial - wirft sich göttlich, der zweitbeste 905, den ich je in der Hand hatte. (#1 bleibt für mich die Hardy Zephrus Ultralite.)

  • A guade Session §!
    Einzig der Kescher war ein wenig befremdlich :lach: aber weil ausgerechnet du ihn genutzt hast- war es schon wieder Gonzo- Somit alles gut!
    Die Macht ist mit dir, junger Schinogl §$

    LG, Ercan





    „Wissen ist eine der ganz wenigen Ressourcen, die sich vermehrt wenn man sie teilt."

  • Danke für den lässigen Bericht! Und die Büdln von meiner geliebten „Launischen“ (Teichl) taugen mir sowieso, auch wenn ich eine andere Strecke befische (unterhalb).
    LG, Peter

    Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen (Georg Friedrich Händel)


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  • Sensationeller Bericht, danke dafür !


    Sowohl Text als auch Bilder.


    Wie ich den Namen "Ákos" gelesen habe, wußte ich gleich, das muss dem Vornamen nach ein Rutenbauer sein aus Ungarn oder vielleicht aus dem ungarischen Teil Siebenbürgens (denn dort sind gute Fliegengewässer, was man ja vom hingegen flachen Ungarn wohl kaum behaupten kann außer ein 2 BAcherln in Westungarn, die von Burgenland entwässern)


    Also, wenn Fische so gar nicht nach der Trockenfliege steigen wollen, bin ich ziemlich verloren, denn das ganze Nymphenfischen mit langen Vorfächern, richtiger Drift und Menden hat sie mir nie richtig erschlossen und wird es wohl so bald nicht tun.

  • Danke Ercan, Peter und Gerhard!


    @Ercan: Ein Kescher ist für mich immer noch ganz schön ungewohnt... Hab ihn mir eh nur gekauft weil er an der Triesting Pflicht ist - am Anfang hab ich sowieso immer vergessen, dass ich ihn mithabe :D


    @Peter: Das die Teichl launisch sein kann glaub ich gern - da kann man sicher auch mal als Schneider heimgehen... Ich hab die beiden Male wo ich dort war eher wenig Fische gesehen, aber dafür - teilweise auch mit viel Glück - immer mindestens einen großen gefangen...


    @Gerhard: Ich weiß nicht genau wo der Akos wohnt, aber auf alle Fälle kann man dort täglich fischen gehen :D
    Früher war die Nympherei für mich auch nur so eine Alternative wenn nix steigt. Mittlerweile bin ich voll reingekippt, nicht nur die Techniken (French...) sondern auch die modernen Nymphen selbst (Perdigon etc) sind einfach der Kracher...

  • Zitat

    Original von GerhardW.E.
    ….
    @Peter: Das die Teichl launisch sein kann glaub ich gern - da kann man sicher auch mal als Schneider heimgehen... Ich hab die beiden Male wo ich dort war eher wenig Fische gesehen, aber dafür - teilweise auch mit viel Glück - immer mindestens einen großen gefangen...
    .....


    Ja, für eine Überraschung ist sie immer gut. Kannst dir aber gerne einmal meine Strecke anschauen, sofern du dir einen alten Hund wie mich als Begleitung antun willst ;-)
    LG, Peter

    Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen (Georg Friedrich Händel)


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  • Zitat

    Original von dryfly



    Ja, für eine Überraschung ist sie immer gut. Kannst dir aber gerne einmal meine Strecke anschauen, sofern du dir einen alten Hund wie mich als Begleitung antun willst ;-)
    LG, Peter



    Ja das tu ich mir gern an. :-)


    Du wirst die Strecke sicher wie Deine Westentasche kennen! :-)


    (edit: Wenn ich mit jemandem unterwegs bin, bin ich ausserdem immer im Gemütlichkeitsmodus, in den Fischjäger-Zombie der oft den ganzen Tag nichts isst und trinkt kann ich mich nur alleine verwandeln :D )


  • Also abgemacht, wir reden uns zusammen, sobald die Saison beginnt und die Teichl dann befischbar ist.


    Nun, wie die Westentasche nicht direkt, aber ja, ich kenn die Teichl mittlerweile sehr gut. Auch aus der horizontalen Position, da ich schon oft ausgerutscht und reingefallen bin - herbstliches Teichlwasser in der Wathose, das kann was :D
    LG, Peter

    Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen (Georg Friedrich Händel)


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  • Schade den tollen Bericht so lange in der Seemannskiste liegen zu lassen und uns vorzuenthalten. Das nächste Mal einfach raus damit bitte. ;) :D


    Ob jetzt da einzwei Fotos unscharf sind, wirklich wurscht.
    Aber natürlich kann ich die Einstellung nachempfinden, es lieber g'scheit oder gar nicht zu machen.
    Wie übrigens auch den "Fischerzombie" - eine werwolfartige die bei mir auch immer dann schlüpft, wenn keiner dabei ist. Gemeinsam mit Freunden und Kollegen bin ich immer am Palavern und meistens Schneider. :D


    Schmunzeln musste ich auch bei der Taktik "Stein-Airmend" - so hab ich auch immer gern gefischt. Nur halt ohne dafür einen Ausdruck zu haben, einfach aus der Not heraus geboren, wenn der Fischerzombie mal wieder Leib und Leben verachtend einfach seinen Fang braucht. :D


    PS: Traumfisch. Und die Landschaft sowieso.. meine alte Heimat §!