Die Geschichte vom Rhineozeros und seinem kleinen Wicht…

  • Geschätzte Brüder und Innen,


    launisch, eigenwillig, unbeugsam und starrsinnig sind wohl die Adjektive, die das große Rhineozeros sehr treffend beschreiben.
    Und dennoch gibt es einen kleinen unbedeutenden Wicht, der dem großen Rhineozeros beharrlich huldigt.
    Das auch bei widrigen Bedingungen, denn das große Rhineozeros bestimmt selbst, wann gehuldigt werden darf und wann der kleine Wicht es bleiben zu lassen hat.


    Kommt eine der wenigen Gelegenheiten, so bereitet der kleine unbedeutende Wicht akribisch die Opfergaben vor.
    Kleine metallene Kunstgegenstände, Proteome und auch so manches Kleintier werden im Rahmen des
    Opferkultes des kleinen unbedeutenden Wichts dem großen Rhineozeros dargebracht.


    So war es dann gegen Ende des Weinmonats wieder einmal so weit. Der kleine unbedeutende Wicht vernahm leise, aber doch bestimmt den Ruf des großen Rhineozeroses.
    Thor schien das wenig zu gefallen und so entsandte er kurzerhand seine Verbündeten,
    um die bereits seit einer gefühlten Ewigkeit andauernde Regentschaft von Helios und der Celestischen Planisphäre nachhaltig zu beenden…
    Unbeirrt von Thors missgünstigen Kräften schritt der kleine unbedeutende Wicht seinem großen Rhineozeros
    Kilometer für Kilometer entgegen bis zum Kultusplatz, baute die Opferstangen auf und verfiel in das Opferritual.


    Thor tobte mit großer Kraft, doch nichts vermochte den kleinen unbedeutenden Wicht aus den tranceartigen Zuständen des Opferkults herauszuholen.


    Das große Rhineozeros bemerkte nun den kleinen unbedeutenden Wicht und bedankte sich für dessen Unnachgiebigkeit ab und
    an mit einem Ruck an den Opferstangen und gelegentlich spendete das große Rhineozeros auch
    eine milde Gabe für den kleinen unbedeutenden Wicht.


    Dankbar nahm der kleine unbedeutende Wicht die milden Gaben an und trug sie fort in seine weit entfernte kleine Höhle.


    Eine milde Gabe:




    Das war die Geschichte vom großen Rhineozeros und seinem kleinen Wicht. Ich hab mir erlaubt, die Protagonisten etwas zu verschleiern und
    so zumindest für den interessierten Leser das Eine oder andere kleine Rätsel bzw. Wortspielerei einzubauen.


    Schönen Gruß

  • Hahaha ... :D


    sehr cool geschriebene Geschichte, die schlussendlich doch noch gut ausgegangen ist §!


    der Wicht konnte nach erfolgter Huldigung des großen Rhineozeros doch mit einer milden Abendgabe die Arena verlassen ... und das Ganze trotz der wilden Gesellen des Thors die da auch gewütet haben §!


    p-:

    LG
    Reinhard


    "I have many loves and Fly-Fishing is one of them; it brings peace and harmony to my being, which I can then pass on to others."


    Sue Kreutzer

  • Ganz genial geschrieben. Der kleine Wicht bist also Du, und das große Rhinozeros wird das Fischwasser oder die Unbilden der Fischerei sein.


    Besonders gefallen hat mir auch der Ausdruck "Weinmonat" für den September.


    Dieser Begriff kommt in einem meiner Lieblings-Fischerlebnis-Bücher, dem längst vergriffenen Werk von Wolfgang Zeiske "Zauber des Fischwassers" vor bei "Wenn im September die Äsche steigt", wo es anfängt mit "Der Weinmond ist in´s Land gezogen...."

  • Petri Dank meine Herrn, freut mich sehr, dass die komische Geschichte ankommt.
    §!



    Zitat

    Original von Lupus
    Der kleine Wicht bist also Du,

    Ja genau, das war glaub ich eh nicht so schwer zu erraten.


    Zitat

    Original von Lupusund das große Rhinozeros wird das Fischwasser oder die Unbilden der Fischerei sein.

    Ja genau Gerhard, wobei ich hier noch eine kleine Spitzfindigkeit ergänzen möchte.
    Das "e" in Rhinerozeros war kein sich dauernd wiederholender Fehler,
    sondern ein Hinweis auf den Gewässernamen...



    Zitat

    Original von LupusBesonders gefallen hat mir auch der Ausdruck "Weinmonat" für den September.



    Dieser Begriff kommt in einem meiner Lieblings-Fischerlebnis-Bücher, dem längst vergriffenen Werk von Wolfgang Zeiske "Zauber des Fischwassers" vor bei "Wenn im September die Äsche steigt", wo es anfängt mit "Der Weinmond ist in´s Land gezogen...."

    Interessant, ich kenne nur den Oktober als Weinmonat - wieso auch immer...
    Vielleicht vom Törggelenfahren ins Südtirol traditionell im Oktober...?



    Schönen Gruß

  • Zitat

    Original von julius.bDas "e" in Rhinerozeros war kein sich dauernd wiederholender Fehler,
    sondern ein Hinweis auf den Gewässernamen...


    .. und ich dachte mir schon, wieso dichtet er so schön rätselhaft wo er doch das Rhino dauernd falsch schreibt!? So ein Stilfehler. :lach:


    Na gut, Danke für die Auflösung :)
    Jedenfalls sehr witzig geschrieben, und Danke fürs Zeigen deiner Beute!

  • Muss zugeben, dass ich beim ersten Durchlesen fast gar nichts verstanden habe-bin aber eh schon etwas gewarnt, denn du hast uns ja schon ein paarmal auf die Probe gestellt.


    ..und dann habe ich listigerweise das Ganze nicht nochmals stirnrunzelnd durchgelesen- sondern die Kommentare der anderen rückmeldenden User -und jetzt kenn ich mich auch aus ! :lach:


    Danke Jürgen für diesen Fangbericht der so ganz anderen Art.


    LG von Stefan

  • Ein weiteres Petridank und auch danke fürs fröhliche Mitraten.
    d-;


    Ja ihr habt eh alles aufgelöst denk ich,
    der Vollständigkeit halber list ichs hier nochmal auf:


    ++ Das große Rhineozeros --> River Rhine --> Der Alpenrhein, das Gewässer der Geschichte


    ++ auf den unbedeutenden Wicht geh ich nicht mehr näher ein... :lach:


    ++ die Opfergaben:
    - metallene Dinge wären Bleie und div. Kleinzeugs, die man beim Abriss verliert
    - Proteone: Proteingebilde, in dem Fall fette Würmer
    - Opfertiere: Köderfische- und Teile davon


    ++ Opferstangen: Angelruten


    ++ Weinmonat: Umschreibung für Oktober


    ++ Der Ruf des großen Rhineozeros: der selten angeltechnisch passende Wasserstand


    ++ Thor: Wettergott


    ++ Verbündete des Thor: Regen, Wind, Blitz und Donner


    ++ Helios --> griechischer Sonnengott --> Sonnenschein


    ++ Celestische Planisphäre: der Sternenhimmel (auf eine ebene Fläche projiziert)


    ++ Die Regentschaft von Helios und der CP: Die lange Schönwetterphase im Herbst mit den sternenklaren Nächten


    ++ Kultusplatz --> Angelplatz


    ++ Milde Gabe des großen Rhineozeros: Fisch



    Das müssten glaub ich alle Fragezeichen in der Geschichte gewesen sein.



    Schönen Gruß

  • Ich habe den Alpenrhein ja nie gesehen, aber aus Erzählungen weiß ich, dass das ein ziemlich stark begradigter Fluss ist mit einem großen Geschiebe an Schotter.


    Was kommen dort sonst noch für Fischarten vor ? Ich nehme an, mangels Gumpen oder Kehren ist es sehr schwer, Strukturen zu finden und wahrscheinlich ist die Fisch-Biomasse auch nicht sehr hoch, oder ?

  • Ja Gerhard, speziell im Unterlauf ist es ein begradigtes, strukturloses Trapezbecken.
    Die Feststoff-Geschiebefracht beträgt pro Jahr etwa 2.000.000 bis 3.000.000 m³(!)
    Hinzu kommt dann noch der außergewöhnlich intensive Schwallbetrieb von den Kraftwerken in der Schweiz und diese großen Schwalle sind m.M.n. das größte Problem.


    Biomasse ist in der Tat gering.
    Langjährige Auswertungen von Fangstatistiken (A & CH) ergaben Für den unteren Abschnitt, dass nur bei ca. jedem 10. Fischgang überhaupt etwas gefangen wurde.
    Vereinzelt und saisonal kommen noch Salmoniden, Coregonen und Trüschen vor und ein paar sonstige Ausreißer.
    Letztes Jahr hab ich da zu meinem Erstaunen sogar einen Armdicken Aal erwischt.


    Der besondere Reiz für mich ist halt, dass zwar meist nix ist, aber immer auch das Potential für was besonderes da ist.



    Schönen Gruß